Erlebnisse in der Agentur für Arbeit

Da ich mich jetzt - wie viele andere auch - auf der Suche nach einer Arbeitsstelle befinde, hatte ich auch das außerordentliche Vergnügen, die Agentur für Arbeit und ihre Mitarbeiter näher kennenzulernen. Nach meinen nunmehr 8 Besuchen dort (obwohl ich erst eine Woche arbeitslos bin) frage ich mich wirklich, wieso man diese Institution umbenannt hat und es nicht bei dem alten Namen "Arbeitsamt" belassen hat. Unter einer Agentur verstehe ich ein Dienstleistungsunternehmen, das seine Kunden freundlich und unkompliziert betreut. Doch genau das Gegenteil ist bei der Agentur für Arbeit der Fall. Kleinkarierte Beamte, die einem zu verstehen geben, dass man hier ein dummer Bittsteller ist und die sich offensichtlich nicht bewusst sind, dass Arbeitslose, die in die die Arbeitslosenversicherung einbezahlt haben, ein gutes Recht auf Arbeitslosengeld etc. haben.

Doch jetzt erst einmal einige meiner Erfahrungen. Es ging schon lange los, bevor meine Ausbildung abgeschlossen war, denn man muss sich ja 3 Monate vorher als arbeitssuchend melden. Im Arbeitsamt Montabaur bekam ich einen ersten Vorgeschmack, was mich bei meinen weiteren Besuchen erwarten sollte. Nachdem wir (meine damalige Mitauszubildende Sophie war mit dabei) etwa eine halbe Stunde mit vielen anderen Menschen in einem Flur mit einem widerlich grünen Fußboden gewartet hatten, wurde ich von einer schlecht gelaunten jungen Dame in ihr Zimmerchen eingelassen. Später sollte ich feststellen, dass die Dame nicht schlecht gelaunt war, sondern dass diese Miene ihr ganz normales Alltagsgesicht im Umgang mit Kunden ist. Nachdem ich in diesem Zimmer erst mal 5 Minuten ignoriert wurde, während sie irgendwelche Daten in ihren Computer eingab, wurden mir in unterkühltem Tonfall ein paar Fragen gestellt, ich bekam einen Haufen Blätter in die Hand gedrückt und konnte wieder gehen.

Beim nächsten Mal wurde mir zunächst noch der Glaube an das Gute in der Agentur für Arbeit erhalten, denn ich hatte ein nettes Gespräch mit einer Arbeitsvermittlerin, die mich wie einen normalen Menschen behandelte. Gebracht hat mir dieses Gespräch zwar nichts, aber immerhin hatte ich die Erfahrung gewonnen, dass es dort auch freundliche Mitarbeiter gibt.

Bei unserem dritten Besuch in der Agentur für Arbeit wurde dieser Eindruck allerdings wieder komplett zunichte gemacht. Zuerst saßen wir wieder über eine halbe Stunde in diesem Gang mit dem schrecklichen Fußboden. Als sich dann immer noch nichts tat, ging Sophie (die mir seit 20 Minuten nur noch von Pizza, Nudeln und Sandwiches erzählte, weil sie so einen Hunger hatte) an die Information, um nachzufragen, wie lange es denn noch dauert und ob sie vorher noch was essen fahren könne. Die Antwort an der Information war: "Eigentlich müssten Sie schon lange aufgerufen worden sein. Klopfen Sie doch einfach mal an die Tür von Zimmer x". Todesmutig folgte Sophie also diesem Ratschlag und als auf ihr Klopfen keine Rückmeldung erfolgte, öffnete sie vorsichtig die Tür. Sofort wurde sie von einem Drachen (der sich als die Dame von meinem ersten Arbeitsagentur-Besuch herausstellte) angekeift, sie solle gefälligst warten und würde dann schon aufgerufen. Daraufhin haben wir uns dann nicht mehr getraut, etwas zu unternehmen und schön brav weiter gewartet, bis ich dann irgendwann aufgerufen wurde. Dann habe ich erfahren, dass wir uns die ganze Zeit hätten sparen können, da wir noch nicht das genaue Datum des Endes unserer Ausbildung wussten.

Letzte Woche erhielt ich eine Mail von meinem Arbeitsvermittler "Bitte kommen Sie am x.x. um 17.00 Uhr in die Agentur für Arbeit, Zimmer y". Da ich mich mit dieser dürftigen Information nicht zufrieden geben wollte, habe ich ihm zurückgemailt, worum es denn ginge und erhielt dann auch die Information, es handele sich um ein Erstgespräch in der Arbeitslosigkeit (das hätte meiner Ansicht nach schon in der ersten Mail stehen müssen). Dieses Gespräch war zwar wieder ziemlich sinnlos, da ich die ganzen Informationen schon in diversen Merkblättern gelesen hatte, aber der Berater war wieder eine positive Überraschung. Aus meinen bisherigen Erfahrungen kann ich folgende "Freundlichkeitsskala" aufstellen. Arbeitsvermittler: freundlich. Mitarbeiter an der Anmeldung: neutral. Sachbearbeiter: zum Großteil absolut unfreundlich.

Die folgenden Besuche hatten eigentlich alle nur zum Ziel, den Antrag auf Arbeitslosengeld zu bekommen und abgeben zu dürfen. Dafür war ich glaube ich 4 Mal entweder in der Agentur für Arbeit in Montabaur oder in Idstein, wo ich neu hingezogen bin. Mal abgesehen davon, dass ich mir jedesmal als lästiger Störenfried vorgekommen bin, der von nichts eine Ahnung hat, hat mich mein heutiger Besuch in der Agentur für Arbeit in Idstein doch am meisten geärgert.

Nachdem ich mich Anfang der Woche ordnungsgemäß in meinem neuen Wohnort angemeldet und mich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet hatte, war heute der zweite Termin zur Abgabe des Antrags (einen Antrag hatte ich gestern auch schon in Montabaur abgegeben). Frohgemut ging ich den Weg bei diesem schönen Wetter zu Fuß, stellte mich in die lange Schlange an der Anmeldung und las dann das Schild "Wenn Sie einen Termin haben, sprechen Sie bitte in Zimmer 21 vor." Gut, den Termin hatte ich, also ging ich zu Zimmer 21, wartete noch 5 Minuten, weil ich 10 Minuten zu früh war und klopfte dann an die Tür. Als aus dem Zimmer kein Laut ertönte, drückte ich die Klinke herunter (mit einem beklommenen Gefühl, denn ich hatte noch den Drachen aus Montabaur vor Augen) und stellte fest, dass die Tür verschlossen war. Also wartete ich noch die nächsten 5 Minuten ab, in der Hoffnung, es käme gleich jemand.

Als dies nicht der Fall war, reihte ich mich in die Warteschlange vor der Anmeldung ein und als ich nach einiger Zeit endlich dran war, wurde mir mitgeteilt, dass in Zimmer 21 niemand sei und dass ich mich in Zimmer 22 melden solle. Dort wurde ich von einem muffligen Sachbearbeiter erst mal auf das unfreundlichste vollgemotzt, dass ich zu spät sei und dass er einen genauen Zeitplan hätte und und und. Obwohl ich normalerweise ein absolut friedliebender Mensch bin und es fast unmöglich ist, sich mit mir zu streiten, konnte ich es mir da nicht verkneifen, zurückzumotzen, dass ich dafür nichts kann. Dann stellte er mir anklagend die Frage, was ich denn hier wolle. Ziemlich verwirrt antwortete ich ihm, dass ich den Antrag abgeben wolle (dafür hatte ich schließlich den Termin gemacht). Die nächste Frage ließ mich dann schon etwas an seinem Verstand zweifeln: "Und warum?" Meine verständnislose Antwort: "Weil ich arbeitslos bin?!" Ein verzweifeltes Stöhnen von seiner Seite aus - das war offensichtlich die falsche Antwort gewesen. Da ich zwar nicht wusste, was er auf seine sinnlose Frage hören wollte, jedoch merkte, dass er kurz davor war, mich rauszuwerfen, erläuterte ich ihm mit dem Mut der Verzweiflung, dass ich neu nach Idstein gezogen sei. Das war zwar offensichtlich eine Aussage, die ihm in den Kram passte. Aber er meckerte sofort weiter, warum ich mich nicht nur in Idstein gemeldet hätte statt auch in Montabaur, was ihm ja so viel Arbeit erspart hätte. Auf so viel Unverschämtheit erwiderte ich dann lieber nichts mehr, denn mir war ja klar, dass ich mich erst in Montabaur melden musste, weil ich zu Beginn meiner Arbeitslosigkeit noch dort gewohnt hatte.

Nun stellte sich heraus, dass die Daten, die ich gestern bei der Agentur für Arbeit in Montabaur angegeben hatte, noch nicht da waren. Auch daran war natürlich ich schuld. Da dieser Mensch dann weiter nichts machen konnte, war ich nach 2 Minuten schon wieder draußen und er wurde durch mich zum Glück doch nicht völlig aus seinem mit teuren Computerprogrammen minutiös durchorganisierten Zeitplan gebracht.

Wie gesagt - ich bin erst eine Woche ohne Arbeit. Wer weiß, welche grandiosen Erfahrungen ich noch in der Agentur für Arbeit machen werde. Sollten sie sich lohnen, werde ich sie natürlich auch aufschreiben. Doch im Grunde ist diese Institution nur ein weiterer Grund für mich zu hoffen, ganz schnell eine neue Arbeit zu finden.


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