Ein Samstagnachmittag bei IKEA

"Ja sicher, das machen wir!" sage ich am Mittwoch frohgemut zu meinem Freund: "Am Samstag fahren wir zu IKEA!"

Mit der Absicht, "einfach mal durchzulaufen" und außerdem noch vier zusätzliche Einlegeböden für den Kleiderschrank zu kaufen, machen wir uns am Samstag, kurz nach einem kärglichen Mittagessen (wir freuen uns schon seit Tagen auf die Hotdogs bei IKEA), auf den Weg nach Wallau. Die bombastische Autobahnabfahrt mit zwei Spuren, die in die Richtung des schwedischen Möbelhauses führen, gibt uns bereits einen Vorgeschmack auf das, was uns erwartet. Nach ungefähr 10-minütiger Suche haben wir einen kuschligen Parkplatz gefunden, lassen das Auto schweren Herzens auf diesem Blechfriedhof zurück und machen uns auf die Suche nach dem nur einige Kilometer weit entfernten Eingang. Schnell merken wir, dass "die" auch an die Trottel vom Lande (wie uns) gedacht haben, und überall große Schilder mit Pfeilen aufgehängt haben, die ich vermutlich sogar ohne meine Brille hätte lesen können. Bis hierhin ist doch alles perfekt gelaufen - also rein ins Getümmel!

Ungefähr zwei Minuten lang bin ich gut gelaunt, gucke mir schön dekorierte Einrichtungen an und ignoriere schreiende Kinder, drängelnde Leute und laut diskutierende Paare. Dann werde ich langsam gereizt. Warum rennt die Tante mir im Weg rum? Warum kann ich nicht mal 5 Sekunden stehen bleiben, ohne angerempelt zu werden? Wieso wollen drei Leute mit jeweils einem Kinderwagen gleichzeitig aneinander vorbei und blockieren dadurch den Weg? Schon bald merke ich, wie ich alle Leute böse angucke und böse zurück angeguckt werde. Jeder scheint sagen zu wollen "musst du ausgerechnet hier sein, wenn ich einkaufen will?". Mittlerweile haste ich nur noch durch die Möbelausstellung in der Hoffnung, diesem Irrsinn so schnell wie möglich zu entkommen. Das Problem bei der Sache ist nur, nicht auch noch Veikko, meinen Freund zu verlieren, der ebenfalls nicht mehr gerade glücklich aus der Wäsche guckt. Nach der letzten (großen) Hürde, der Kinderabteilung in der von niedlichen (die Ausnahme) bis absolut nervtötenden Kindern (die Mehrzahl) alles hüpft, springt, rutscht, tobt, schläft, lacht, weint oder schreit, kommen wir endlich in die Markthalle, von der ich mir etwas mehr Platz und etwas weniger böse Blicke erhoffe.

Nach wenigen Sekunden merke ich jedoch, dass ich mir das aus dem Kopf schlagen kann, denn auch hier ist der Konsumwahn ausgebrochen. Menschen, die wie wild in Besteckkisten wühlen, die sich über zehn Meter hinweg anschreien, dass man doch eine neue Bratpfanne gebrauchen könnte (die ich ihnen in diesem Moment am liebsten auf den Kopf schlagen würde) und natürlich wieder welche, die mir - aus meiner Sicht natürlich absichtlich - in den Weg und vor die Füße laufen. "Ganz ruhig bleiben, ganz ruhig bleiben." sage ich mir in Gedanken und versuche erfolglos, nur noch auf schöne farbenfrohe Bilder, hübsche fransige Teppiche und einfach ganz entzückende Geschirrsets zu achten. Doch bald bin ich wieder in der Stimmung, in der ich am liebsten nur noch schreien und wild um mich schlagen möchte. Ich bin schon wieder von Veikko abgedrängt worden und werfe ihm durch ein Regal mit Schüsseln hilflose Blicke zu. Die gleichen hilflosen Blicke kommen von der anderen Seite des Regals zurück.

Irgendwann haben wir es geschafft, uns auch durch diese Vorhölle hindurchzuquälen und kommen nun endlich dorthin, wo wir eigentlich hinwollten: Eine riesige Lagerhalle, in der wir uns auf die Suche nach zwei buchefarbenen Einlegeböden mit dem wohlklingenden Namen "Pax" machen. Nachdem wir einmal zwei unendlich lang erscheinende falsche Gänge und zweimal einen unendlich lang erscheinenden richtigen Gang entlanggelaufen sind, werden wir schließlich fündig. Ein mattes Lächeln erscheint auf meinem Gesicht, während ich mit einer schwachen Geste hauche: "Da ist es!". Das nächste Problem, einen für den Transport der schweren Holzdinger geeigneten Wagen zu finden, erledigt sich relativ schnell, denn irgendwo in einem der unendlich lang erscheinenden Gänge, hatte ich solche Wagen mit meinen müden, von der Reizüberflutung gestressten Augen bereits wahrgenommen.

So, jetzt aber bitte ganz, ganz schnell zur Kasse! Gott sei Dank muss man da nicht länger stehen, als in einem normalen ALDI-Markt, so dass wir die Bezahlaktion bald hinter uns haben. Jetzt noch einen Hotdog, auf den wir uns schon so lange freuen? Ich werfe einen Blick auf den "Hot-Dog-Verkaufsbereich": Das gleiche Bild wie im restlichen IKEA: Menschenmassen, schreiende Kinder (wer kann es ihnen verübeln?), voll besetzte Stehtische und zur Krönung eine etwa 1,5 x 2 Meter große Pfütze mit Flüssigkeit (Cola? Fanta? So genau will ich das eigentlich auch gar nicht wissen). Nein, beim besten Willen nicht. Ich will nur noch hier raus.

Auf Wiedersehen du leckerer Hotdog mit den Gurken und den Zwiebeln. Auf Wiedersehen du prickelndes Erfrischungsgetränk, das ich eigentlich nötig gehabt hätte. Auf Wiedersehen IKEA - aber bestimmt nicht so bald.


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