Der öffentliche Personennahverkehr -
ein ewiger Quell der Freude
Wenn es nach Politikern und Umweltschützern ginge, sollten wir alle entweder zu Fuß gehen bzw. mit dem Rad fahren, oder, da wir ja realistisch bleiben wollen, auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Die Frage ist nur, ob dies wirklich realistischer ist, als 8 km mit dem Fahrrad über eine Bundesstraße zu fahren, um einen Großeinkauf zu erledigen.
Naja, im Grunde ist Bus- und Bahnfahren ja eine tolle Sache. Man bezahlt zwar eine überdimensionale Menge an Geld (nach Einführung des Euros demnächst glücklicherweise nur noch die Hälfte), um stundenlang auf einen Bus zu warten, der in die 7 km entfernt gelegene Kreisstadt fährt, aber dafür hat man jede Menge Spaß und Action!
Besonders als Schüler kann man sich immer wieder an der überaus charmanten Art der Busfahrer erfreuen, die einem auf die netteste und höflichste Weise die man sich vorstellen kann, zu verstehen geben, welch ein lästiger Beförderungsfall man doch ist. Ja ja, die Busfahrer sind schon ein Völkchen für sich: Ob unverschämt-schimpfend-beleidigend wie Siggi, der bedauerlicherweise nicht mehr unter ihnen weilt (ich werde nie verstehen, warum nicht), oder sabotierend-hart-agierend wie "Schiefhals" Stefan. (Ach ja. Ähnlichkeiten mit lebenden und verstorbenen Personen sind natürlich rein zufällig und völlig unbeabsichtigt) Vor allem mit unserem "Schiefhals" (Name erklärt sich wohl von selbst, spätestens wenn man ihn einmal zu Gesicht bekommen hat) hatten wir schon viel Freude. Schon zu Fünftklässlerzeiten zeigte er sich hart und ungerecht. Als kleiner 10-jähriger Pimpf hatte ich einmal meine Fahrkarte vergessen, Schiefhals wusste ganz genau, dass ich jeden Tag mitfuhr und beharrte trotzdem darauf, dass ich ihm die Fahrtkosten erstattete. So muss das sein. Da könnte ja sonst jeder kommen. Aber da hat er anderen noch weit netter mitgespielt, die er an der Haltestelle stehen ließ. Herzig. Dieser Mann sorgt wenigstens für Recht und Ordnung. Besonderen Spaß hatten wir erst kürzlich wieder mit ihm, als er uns erst im Nachbardorf ausstiegen ließ. Nicht, dass er vergessen hätte, anzuhalten, es passte ihm nicht in den Terminplan. Da muss man natürlich Verständnis für haben. Dass sich Eltern gesorgt haben und Mittagessen kalt wurden, bis die Kinder zuhause ankamen, nun, das ist doch wirklich nicht tragisch, das kann man dem netten Busfahrer nun wirklich nicht anlasten. Die Leute brauchen eben immer etwas, worüber sie sich echauffieren können.
Aber man kann noch mehr Abenteuer erleben, wenn man mit dem Bus fährt, besonders die Fragen: "Bekomme ich heute einen Sitzplatz?", "Werde ich wieder von den süßen Kiddies beim Einsteigen an die dreckige Bustüre gequetscht?", und "Bin ich heute mal pünktlich in der Schule oder darf ich mich vor meinem Englischlehrer wieder auf Englisch entschuldigen?", sind immer wieder aufregend und spannend. Besonders kribbelnd ist es auch, sich zu fragen, ob man nach der 5. Stunde von irgendeinem Bus mitgenommen wird und nach Hause muss, oder ob man bis um halb 2 in der wunderschönen Kreisstadt verweilen darf.
Wenn man allerdings mal vom normalen Schulweg absieht, ist alles noch viel toller. Super ist z.B. wenn man um 14:00 Uhr einen Termin in der Stadt hat, jedoch nur um 8:30 Uhr und um 14:03 Uhr Busse dorthin fahren. Da kommt Freude auf! Oder wenn man aus einem kleinen westerwälder Kaff mit dem ÖPNV in eine Stadt gelangen möchte in der die Mosel in den Rhein mündet. Dies ähnelt schon einer kleinen Weltreise, und man ist den ganzen Tag unterwegs. Grandios. Und noch ein paar Tipps für den abenteuerlustigen Westerwälder: Versuchen sie mal, aus der Montabaurer Innenstadt zum Bahnhof zu kommen und auch noch den Zug zu erreichen, den sie nutzen wollten. Oder begeben sie sich mal in ein kleines Dorf und versuchen, von dort ohne Auto möglichst schnell ein anderes kleines Dorf in 20 km Entfernung zu erreichen (zu Fuß gehen gilt nicht!). Eine weitere Alternative wäre, sich mal am Wochenende in ein Dorf ihrer Wahl zu stellen und auf den nächsten Bus zu warten. Nehmen sie am besten einen Schlafsack und genügend Proviant mit. Oder aber stellen sie sich an einen Bedarfshaltepunkt von Bus oder Bahn. Es ist ungemein spannend, ob der Zug/Bus hält oder nicht. Ach ja, und wenn sie Geld zuviel haben. Keine Angst. Bus und Bahn erhöhen ihre Preise ständig, da werden sie ihr überzähliges Geld locker los, vorausgesetzt natürlich, sie haben die Möglichkeit eine Fahrkarte zu kaufen. Wohnen sie allerdings beispielsweise in Dernbach und möchten mit dem Zug nach Montabaur (der tollen Einkaufstadt mit Flair und mehr) gelangen, gestaltet sich die Sache schon etwas schwieriger, da sie weder in Dernbach noch im Zug Karten kaufen können und somit zum Schwarzfahren genötigt werden. Aber auch das sorgt natürlich für zusätzliche Spannung und Nervenkitzel.
Und es sind noch mehr tolle Vorteile der öffentlichen Verkehrsmittel vorhanden: Meistens gibt es eine ungemein gute, gesunde und erfrischende Luft in diesen Fahrzeugen, überaus komfortable Stehplätze und lustiges Geschubse beim Einsteigen. Außerdem wirkt Bus- und Zugfahren wahrhaft völkerverbindend. Man trifft ausgesprochen nette Zeitgenossen, die zwar häufig 2 Sitzplätze für sich alleine beanspruchen, dafür aber sehr einfallsreich sind, wenn es darum geht, sich Schimpfnamen auszudenken und anderen nette kleine Streiche zu spielen. Und dann gibt es auch noch solche, mit denen man sich gemeinsam über die Vorzüge des ÖPNV unterhalten kann.
Ich jedenfalls kann ihnen nur raten, das Auto öfters mal stehen zu lassen. Sie wissen gar nicht, was ihnen entgeht! Na dann, gute Fahrt!